„Statt Menschen Kilowattstunden arbeitslos machen.“

Energiewende zur Vermeidung der Klimakatastrophe

Die Hager SPD hat sich in den Jahren um und vor 1995 mehrfach mit der Energiewende beschäftigt und dazu politische Zielsetzungen formuliert.

Zur umweltfreundlichen Energienutzung der Zukunft folgender Beitrag aus dem Jahre 1995 - an der Aktualität hat sich nichts verändert:

Klimaforscher des Max-Planck-Instituts in Hamburg haben festgestellt, dass sich die Temperaturen in den letzten 100 Jahren global um 0,7 °C erhöht haben. Am stärksten wirkt sich diese Temperaturerhöhung auf dem kontinentalen Festland aus. Im zentralen Russland z.B. hat die Temperatur um ganze 2 °C zugenommen.

Mit einer "Wahrscheinlichkeit von 95%" ist diese Erwärmung in den letzten 20 Jahren nicht mehr auf natürliche Klimaveränderungen zurückzuführen. Erstmals ist nachgewiesen, dass wir Menschen das Klima verändert haben.
Wenn wir weiterhin wie bisher fossile Brennstoffe freisetzen, steuern wir einem katastrophalen Klimawandel entgegen. Noch verbrennen wir mit unserem ganz gewöhnlichem Energieverhalten in einem Jahr soviel Öl-, Kohle- und Gasvorräte, wie in einer Millionen Jahren gewachsen ist!
Für uns Küstenbewohner besteht die Gefahr, dass sich der Meeresspiegelanstieg beschleunigt und die Sturmfluten an Zahl und Höhe zunehmen.

Die Klimaforscher können zur künftigen Entwicklung noch keine exakten Angaben machen. Sie weisen aber mit Recht darauf hin, dass die Zukunft des Klimas entscheidend von der Energiepolitik abhängt. Die Politik ist auf nationaler und internationaler Ebene aufgefordert, die notwendigen Entscheidungen zu fällen. Eine Energiewende ist dringend notwendig.

Ist sie überhaupt durchsetzbar? Was kann jeder von uns dafür tun?
Franz Alt sagt dazu in seinem 1994 im Piper-Verlag erschienenen Buch "Die Sonne schickt uns keine Rechnung", dass die Klimakatastrophe vermeidbar ist. "Unser größtes Problem ist, dass wir uns nicht mehr vorstellen, was wir anstellen." Wir müssen aber die Irrwege des Atom- und Ölzeitalters verlassen.

Umweltfreundliche Energiequellen der Zukunft sind Sonnenstrahlen, Wind, Wasser, Biomasse und solarer Wasserstoff.


Wir müssen auch die eingesetzte Energie intelligenter und effektiver nutzen als heute. Dazu Ernst Ulrich von Weizsäcker: "Die Effizienzrevolution ist technisch kein Problem. Aber sie kommt nicht zustande. Warum? Weil es rentabler ist, Menschen arbeitslos zu machen. Wir müssen dafür sorgen, dass es rentabler ist, Kilowattstunden arbeitslos zu machen."

Energie können wir z.B. dadurch einsparen, indem wir Strom und Wärme durch Blockheizkraftwerke erzeugen. Wohngebiete müssen dezentral durch Strom und Wärme versorgt werden.


Künftig muss mehr Energie durch Sonne, Biomasse, Wind und Wasser erzeugt werden. Wernher von Braun hatte bereits 1973 auf einem Sonnenenergie-Kongeß der UNESCO in Paris gesagt: "Das Solarzeitalter ist die eigentliche Zukunft der Menschheit."

Jedes Dach in Deutschland, das nach Süden ausgerichtet ist, kann ein Solarkraftwerk werden.

Der britische Solarforscher Robert Hill hat ermittelt, dass in Großbritannien der gesamte Strombedarf über Solarzellen erzeugt werden kann, wenn nur 10% der heutigen Gebäudeflächen mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden. Noch ist der Strom aus Sonnenstrahlen relativ teuer. Wenn aber in die bisherige umweltfeindliche Energieerzeugung alle gesamtgesellschaftlichen Kosten einbezogen werden, verändern sich die Bedingungen zugunsten der Solarenergie. Außerdem würde der Solarstrom durch Massenproduktion kostengünstiger werden.

Auch Biomasse kann zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden. Durch rentable Biogas-Anlagen können sich viele Bauern energieunabhängig machen und Überschüsse ins Netz speisen.

Dänemark sollte für uns Vorbild sein. Schon 1991 wurden dort 5% des gesamten Energieverbrauchs aus Biomasse gewonnen. In Lintrop z.B. betreiben 62 Landwirte gemeinsam eine Biogasanlage zu wirtschaftlichen Energiepreisen. Statt den Landwirten bei uns Flächenstillegungen zu subventionieren, könnten sie aus dem Anbau und der Verwertung von Energiepflanzen (Schilfgras) durch Biogasanlagen Einkommen erzielen.

Als Hauptenergieträger wird künftig Wasserstoff als "gespeicherte Sonne" an Bedeutung gewinnen. Wasserstoff ist das "ökologische Gas", das zur Stromversorgung, aber auch als Brennstoff zum Heizen und als Treibstoff eingesetzt werden. Allerdings entspricht der gegenwärtige Stand der Wasserstofftechnik laut Franz Alt etwa der Entwicklung der Eisenbahn in der Mitte des 19.Jahrhunderts:

"Die Züge fahren noch langsam, es gibt nur einige Fahrstrecken, noch zu wenig Verbindungen und viel Anfeindungen. Wann in der Geschichte hat es das Neue leicht gehabt, sich gegen das Alte durchzusetzen?"

In der Weltraumtechnologie wird die Wasserstofftechnik in Brennstoffzellen angewendet.
Die Brennstoffzellentechnik wird sich zu einer Schlüsseltechnologie entwickeln, die in der Hausenergieversorgung und in Kraftfahrzeugen genutzt werden könnte. Wir müssen anstreben, dass Energie dezentral von jedem Haushalt erzeugt werden kann. Ein langfristiges Ziel, das noch großer Forschungsanstrengungen und viel Zeit bedarf. Hier ist auch der Staat gefordert, seinen Beitrag zur Foschungsförderung zu leisten. Vielleicht wird der entscheidende Strukturwandel in Richtung Brennstoffzellentechnik erst ab dem Jahr 2010 einsetzen.

Wenn wir die selbstverschuldete Klimakatastrophe vermindern bzw. gar vermeiden wollen, müssen wir die Energiewende jetzt einleiten.
Jeder kann seinen Beitrag dazu leisten.

Kürzlich ist auf Bundesebene beschlossen worden, die Wohneigentumsförderung mit weiteren Zulagen für den Einbau von Wärmepumpen, Solaranlagen, und Anlagen zur Wärmerückgewinnung und beim Anschluss an Fernheizungen acht Jahre lang mit einer Zulage zwischen 400 und 500 DM jährlich zu fördern. Das ist ein kleiner Schritt nach vorn. Weitere größere Schritte, insbesondere im Bereich der Gesetzgebung, müssen folgen.

Auch Hage kann seinen Beitrag leisten. Die Hager SPD hat z.B. dafür gesorgt, dass im Flächennutzungsplan neben der neuen Kläranlage eine zusätzlich Gewerbefläche ausgewiesen wird, die sich für Anlagen zur alternativen Energienutzung gut eignen würde.

Im übrigen hat die Hager SPD erwirkt, dass in den Bebauungsplänen planungsrechtliche Hemmnisse für alternative Energienutzungen abgebaut werden. In den ab 1995 aufgestellten Bebauungsplänen wird eine alternative Energiegewinnung und Energienutzung, z.B. durch Blockheizkraftwerke und Solaranlagen, empfohlen.